Alfredo Rodriguez ist im Jahre 2009 in die USA gezogen. Eine Art räumliche Entfernung von seinen Wurzeln, die den kubanischen 32-jährigen Pianisten jedoch niemals seine Herkunft und seine Kultur vergessen ließ. „Wenn man in seinem eigenen Land lebt, steckt man so tief in seiner Realität fest, dass einem die verschiedenen Elemente dieser Realität nicht bewusst sind. Ich habe die kubanische Musik geradezu aufgesaugt und weit weg von dieser Realität zu sein gibt mir eine neue Perspektive. Diese Musik zu erschaffen und zu spielen war, als ob ich mich selbst neu entdecken würde, ein weiteres Mal.“
Der talentierte Schützling von Quincy Jones ist uns kein Unbekannter. Und dennoch wird seine Kapazität, zwischen den Genres zu gleiten und zwischen den verschiedenen Epochen und Landschaften im Slalom zu fahren auf seinem vierten Album für das Label Mack Avenue noch deutlicher. Rodriguez beeindruckt mit seinem vielseitigen Jazz, selbst bei tausendmal gehörten Hits wie Bésame Mucho. Zusammen mit dem Schlagzeuger Michael Olivera und dem Bassisten Munir Hossn erschafft er Jazzmusik, die tief in der Erde seiner Heimat verwurzelt ist und ein unglaubliches musikalisches Reichtum bereithält. Und dennoch, genau dann, wenn er sich auch in andere Richtungen bewegt, klingt er so poetisch wie noch nie zuvor. Die Erzählkunst seines Klaviers wird dann übermächtig und man muss nur noch die Augen schließen und sich gehen lassen… Es bleibt nur noch zu erwähnen, dass eben genau dieser Quincy Jones seine Produzentenkappe herausgekramt hat, um Little Dream noch ein i-Tüpfelchen aufzusetzten. © Clotilde Maréchal/Qobuz