Mit 30 Jahren gab Terje Rypdal dieses eklektische Album heraus, das den Stil widerspiegelt, den er in den letzten sechs Jahren für Manfred Eichners Label entwickelt hat. Waves wurde im September 1977 in seiner Heimatstadt Oslo aufgenommen und offenbart die elektrisierende Sprache des norwegischen Gitarristen, der mit verschiedenen Einflüssen, vom reinem Jazz bis Rock oder auch New Age jongliert. Einem betörenden Walgesang gleich, lässt seine sechssaitige Gitarre großflächige Klangbilder entstehen. Aber der Fusion Jazz von Rypdal ist nicht nur an dem seiner angelsächsischer Kollegen orientiert (Miles Davis und Bitches Brew hat ihn sehr beeindruckt). Mit seinen Kompatrioten, dem Bassisten Sveinung Hovensjø und dem Schlagzeuger Jon Christensen, setzt er auf Sensorisches, Atmosphärisches aber auch auf Synkretismus. Und um das Klischee des abgehobenen und mystischen Virtuosen aus Skandinavien, nach dem Bild der Landschaften, in denen er aufgewachsen ist, zu widerlegen, hat Terje Rypdal Palle Mikkelborg eingeladen. Der dänische Trompeter ist übrigens das zentrale Element der Revolution, die hier Gestalt annimmt. Nach einem eher heiteren Intro, angelehnt an eine unglaubliche Drum Machine (Per Ulv), kehrt der Gitarrist zu seiner bevorzugten Stimmung, dem Kontemplativen, zurück (Karusell), stürzt sich aber auch blindlings ins Rock-Inferno (The Dain Curse). Die wunderbare Komplizenschaft mit Mikkelborg bleibt während seiner gesamten Karriere bestehen. © Marc Zisman